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Ergänzungswünsche und Anregungen
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Rezension bezieht sich auf: Arbeitsbuch: Literaturwissenschaft (Gebundene Ausgabe) Im Studienjahr 1999/2000 habe ich das "Arbeitsbuch: Literaturwissenschaft" mit litauischen Deutschstudentinnen verwendet. Sie wünschten sich vor allem klare Anleitungen zur Interpretation von Texten, ich wünschte mir oft Beispiellösungen zu den Aufgaben. Am dringendsten ist das nötig im Abschnitt 3.2.1 (Mytheme als konstitutive Einheiten des Mythos). Ein paar Hinweise könnten es erleichtern, in Seminaren mit dem Buch zu arbeiten. Zum Beispiel: Was sind schon russische Formalisten gegen den damaligen Schocker aller Nistgermanen, Physikprofessor Wilhelm Fucks: "Nach allen Regeln der Kunst", Stuttgart (dva) 1968. Ist das damals recht populäre Buch denn auf irgendeinem Index der Literaturwissenschaft? Wenn es so etwas wie eine Liste verbotener Texte gibt, gehört dazu auch: Kurt Vonnegut: "Das Aschenputtel-Syndrom" (aus: Palm Sunday. Delacorte Press, New York 1981. Auf vier Seiten abgedruckt in: Tintenfass. Magazin für Literatur und Kunst, Nr. 3. Hrsg. Gerd Haffmans, Zürich (Diogenes TB) 1981, ISBN 3257-22003-0.
Und, als Ergänzung zu Abschnitt 1.1.5, Literatur als gesellschaftliche Größe, ein Text von Wilhelm Emrich: "Das Problem der Wertung und Rangordnung literarischer Werke" (1961), in: Mecklenburg, Norbert (Hrsg.): Literarische Wertung, Tübingen (dtv-TB) 1977. Zu Abschnitt 4.4.2 wünsche ich mir einen Hinweis auf Psychogramme, ihre Erstellung und Anwendung. Denn das Psychogramm ist ja wohl das Vorbild des Konfigurationsbilds.
Zu Kapitel 4, Dramenanalyse, ist so nebenbei die genaue Kenntnis des Kleistschen "Prinz von Homburg" nötig. Ein Video als Ergänzung war gut. Darf sowas nicht in einer Literaturliste erscheinen? (Tabu, tabu!)
Ein einfacher Mensch wie ich fragt sich übrigens auch, warum in keinem literaturwissenschaftlichen Fachbuch das Wort "Perspektivenübernahme" vorkommt (also: Walk a mile in my boots...), schließlich schrieben eine ganze Reihe Schriftsteller auch mit der Absicht, das Verständnis der Menschen füreinander zu erleichtern - oder sie behaupteten es zumindest. Kann man in die nächste Auflage einen Abschnitt dazu aufnehmen? Zum "Prinzen von Homburg" - insbesondere zur sogenannten Mauerschau während der Schlacht - könnte man ganz gut Henri Dunants Beschreibung des Schlachtfelds von Solferino als Kontrast verwenden. Aber wo finde ich das?
Gut wären noch Hinweise zum Thema: Verwertungsbedingungen von Literatur - vom Manuskript zum Bestseller (siehe hierzu z.B. "SPIEGEL-Reporter" Nr. 10, Oktober 2000). Oder Video und CD des "Literarischen Quartetts".
Kurzum: Das "Arbeitsbuch Literaturwissenschaft" ist für Uni-Seminare gut zu gebrauchen; noch besser wär's, die Nutzer würden ihre Ergänzungen zusammentragen (tu's jetzt, Leser dieser Zeilen!), damit die nächste Auflage von Eicher-Wiemann Hinweise auf Zusatzmaterial enthalten kann. Germanistik muß nicht langweilig sein; Thomas Meinecke hat's in "Tomboy" gezeigt.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 1. November 2000 |