Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade: ... Text und Kommentar (Suhrkamp BasisBibliothek)


 
Höhepunkt des Theaters des 20. Jahrhunderts
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade: ... Text und Kommentar (Suhrkamp BasisBibliothek) (Taschenbuch) Wer neben Brecht einen zweiten Vertreter des epischen Theaters nennen muss, ist zunächst sprachlos. Sagt man ihm dann Peter Weiss herrscht momentan Stille. Tatsächlich ist das Oeuvre Weiss' etwas in Vergessenheit geraten.

Weiss ist einer der wichtigsten, interessantesten und kreativsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit.
Sein beeindruckendes, überwältigendes Dokumentarstück "Die Ermittlung" ist die ehrlichste, erschreckendste und beste literarische Verarbeitung des Terrors der Nationalsozialisten. Absolute Pflichtlektüre.

Doch sein wichtigstes Werk ist "Die Verfolgung und Ermordung Jean-Paul Marats ..." (der gesamte Titel ist wesentlich länger). Ein grandioses, wirksames Theaterstück und eines der wichtigsten Dokumente der 68-er Generation.

Im Irrenhaus Charenton, in dem der Schriftsteller de Sade als Patient sitzt, wird eben jenes Theaterstück aufgeführt, das die Ermordung Marats, einem Führer der französischen Revolution, darstellt. In Szene setzen wird dies eben der Marquis de Sade.

Kernaussage ist die Umstrukturierung der Gesellschaft zu einem gerechten , sprich sozialistischen Staat. Auch stehen sich zwei gänzlich konträre Konzepte gegenüber: Marat, der der Gesellschaft sein Wohl aufzwingen will und Sade, der nur in der Loslösung des Einzelnen aus der Gesellschaft das Heil sieht.

Die Dialoge (allesamt in einer sich reimenden, jambischen, schankhaften Kunstsprache gedichtet) über die Zukunft der Gesellschaft gehören zu den interessantesten und spannendsten des modernen Theaters.

Die teils grotesken, absurden doch dann wieder todernsten Szenen müssen auf der Bühne derart intensiv wirken, dass einem dieses Stück nicht egal sein kann.

Ein absolutes Muss, für alle, die sich für Theater interessieren. Doch auch für jene, denen dieser großartige Schriftsteller (sonst noch ausgezeichnet: "Der Abschied von den Eltern", "Ästhetik des Widerstands") bisher entgangen ist.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 1. Januar 2005
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